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Diagnostik & Therapie

Anamnese:

In der Psychiatrie bzw. Psychotherapie ist eine ausführliche Befragung der Beschwerden, der Lebensentwicklung und der bestehenden Lebenssituation von besonderer Bedeutung. Falls notwendig, werden mit Zustimmung des Betroffenen die Angehörigen befragt (Fremdanamnese).

Körperliche und neurologische Diagnostik:

Bei jeder Aufnahme eines Patienten erfolgt eine körperliche und neurologische Untersuchung, um mögliche somatische Erkrankungen als Ursache der psychischen Beeinträchtigung auszuschließen, bzw. den körperlichen und neurologischen Allgemeinzustand zu dokumentieren.

Labor:

Es werden zu Beginn der Aufnahme Blutuntersuchung bzw. auch Harnuntersuchungen durchgeführt, um z.B. Entzündungszeichen zu erfassen, aber auch im Bereich der Suchtbehandlung die Intoxikation zu prüfen.

Psychologische Diagnostik:

Da psychische Erkrankungen oft nicht körperlich zu fassen sind, werden psychologische Testverfahren verwendet. Dabei steht eine große, heterogene Auswahl an psychologischen Tests zur Erfassung unterschiedlichster psychischer Merkmale zur Verfügung.

Bildgebende Diagnostik:

Zum Ausschluss organischer Veränderung, die psychische Störungen auslösen können, werden nach Indikation CT und MRT eingesetzt.

Weitere Diagnostikmethoden sind:

EKG, EEG, RR

Konsiliardienst:

Zur Abklärung von Erkrankungen, die nicht zum psychischen Spektrum gehören, werden Fachärzte anderer Fachabteilungen hinzugezogen.

Die Therapie

Psychopharmaka:

Eine gezielte Therapie mit Psychopharmaka ist bei vielen psychischen Störungen ein unverzichtbarer Teil der Behandlung. Die Beeinflussung seelischer Vorgänge durch natürliche oder synthetische Wirkstoffe gibt es schon lange. Ein neuer Abschnitt in der Anwendung von Substanzen zur Behandlung seelischer Störungen begann mit der Entdeckung von Chlorpromazin. Dieses Medikament zeigt bei körperlich begründbaren Psychosen neben einer beruhigenden und dämpfenden Wirkung vor allem eine innere Distanziertheit von zum Teil stark selbstquälenden, psychotischen Erlebnisinhalten. Seit 1952 ist eine große Zahl verschiedener Psychopharmaka auf den Markt gekommen. In den letzten Jahrzehnten konnten in der Weiterentwicklung große Fortschritte erzielt werden. So sind viele der neu zugelassenen Medikamente besser verträglich und nebenwirkungsärmer als deren Vorläufer.

Zu den typischen Medikamenten in der Psychiatrie gehören:

Neuroleptika: Diese werden hauptsächlich zur Behandlung von Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis verwendet. Durch die Entwicklung von atypischen Neuroleptika konnten belastende Nebenwirkung deutlich minimiert werden.
Antidepressiva: Hier handelt es sich um eine heterogene Gruppe von Psychopharmaka, die zur Behandlung von depressiven Symptomen eingesetzt werden, Antidepressiva haben eine stimmungsaufhellende und/ oder antriebssteigernde Wirkung. Sie sind in der Regel nebenswirkungsarm und besitzen kein Abhängigkeitspotenzial.
Mood-Stabilizer: Mood = Stimmung; Stabilizer = Stabilisator, diese Medikamente werden - wie der Name schon sagt - vorrangig zur Stimmungsstabilisierung bei affektiven Störungen eingesetzt. Sie können bestehende Symptome lindern und verhindern in der Langzeittherapie das erneute Auftreten einer manischen oder depressiven Episode.
Anxiolytika: Hier handelt es sich um angstlösende Substanzen, die eine stark beruhigende Wirkung haben und häufig in der akuten Krankheitsphase ihren Einsatz finden. Auf Grund des hohen Abhängigkeitspotentials von Anxiolytika sollte auf eine dauerhafte Behandlung damit verzichtet werden.
Hypnotika: Hier handelt es sich um schlaferzeugende Medikamente, die bei Schlafstörungen eingesetzt werden können. Auch hier besteht eine Abhängigkeitsgefahr, daher sollten Hypnotika nur kurzzeitig eingesetzt werden.
Antidementiva: Diese werden bei dementiellen Erkrankungen eingesetzt. Dabei sollen kognitive Leistungen wie Gedächtnis, Konzentration- und Auffassungsfähigkeit verbessert bzw. erhalten werden und somit der fortlaufende Prozess von Demenzerkrankung gestoppt bzw. verlangsamt werden.

Psychotherapie:

"Psychotherapie ist ein bewusster und geplanter interaktioneller Prozess zur Beeinflussung von Verhaltensstörungen und Leidenszuständen, die in einem Konsensus (möglichst zwischen Patient, Therapeut und Bezugsgruppe) für behandlungsbedürftig gehalten werden, mit psychologischen Mitteln (durch Kommunikation) meist verbal aber auch averbal, in Richtung auf ein definiertes, nach Möglichkeit gemeinsam erarbeitetes Ziel (Symptomminimalisierung und/oder Strukturänderung der Persönlichkeit) mittels lehrbarer Techniken auf der Basis einer Theorie des normalen und pathologischen Verhaltens? 1978 vom Wiener Psychotherapeuten Hans Strotzka

Je nach Station und deren Schwerpunkten werden unterschiedliche spezifische psychotherapeutische Verfahren in Einzel- und Gruppentherapien angewandt. Dabei nutzen wir u.a. folgende Verfahren:

Psychoedukation: ist eine informative Vermittlung von Störungswissen, wie Ursachen, Symptome und Verlauf, sowie der Behandlung der Störung. Psychoedukation hilft die Compliance (Kooperation zwischen Behandler und Patient) der Behandlung zu erhöhen als auch für eine Entlastung und Entstigmatisierung zu sorgen.
Die Bibiliotherapie: Mit Hilfe von Literatur kann der Patient sich über Störungen und deren Behandlung erkundigen. Er erkennt sich selbst in der Lektüre wieder und kann Anregungen für Veränderungen erhalten. Die Bibliotherapie bietet eine gute Grundlage um im Gespräch mit seinem Therapeuten und/ oder Arzt zu arbeiten.
Kognitive-Verhaltenstherapie: Hier stehen vorrangig die Kognitionen im Vordergrund, unter Kognitionen versteht man alle Gedanken, Bewertungen, Einstellungen und Überzeugungen. Man geht dabei davon aus, dass die Art und Weise, wie wir denken, bestimmt, wie wir uns fühlen und verhalten und wie wir körperlich reagieren.
Tiefenpsychologische Therapie: fasst alle psychologischen und psychotherapeutischen Ansätze zusammen, die den unbewussten seelischen Vorgängen einen hohen Stellenwert für die Erklärung menschlichen Verhaltens und Erlebens beimessen. Die zentrale Vorstellung der Tiefenpsychologie ist, dass ?unter der Oberfläche? des Bewusstseins in den Tiefenschichten der Psyche weitere, unbewusste Prozesse ablaufen, die das bewusste Seelenleben stark beeinflussen.

Ergotherapie:

Der Begriff Ergotherapie kommt aus dem griechischen und setzt sich aus "Ergo= Beschäftigen, Tun, Handeln, Gestalten" und "Therapie= Dienst; Behandlung" zusammen. Ziel der Therapie ist es, mit konkretem Beschäftigen bzw. Arbeiten wieder in ein "normales Leben" zurückzufinden, dabei bedient es sich kreativer Techniken oder auch alltagsorientierten Aufgaben. Die Ergotherapie kann auf ein breites Angebot an Therapietechniken zurückgreifen, dazu gehören: Kompetenzzentrierte Methoden, Themenzentrierte Gestaltung, Wahrnehmungstherapie, freies Gestalten, kognitives Training, Aktivitäten des täglichen Lebens und viele mehr. Die Ergotherapie wird je nach Schwerpunkt der Station ausgerichtet und ist in den Stationskonzepten mit integriert.

Bewegungstherapie:

In allen Konzepten der Stationen findet sich die Bewegungstherapie wieder. Sport, Bewegung ist ein wichtiger Bestandteil der Therapie. Bewegung fördert zum Beispiel die Dopaminproduktion, Dopamin ist ein wichtiger Botenstoff im Gehirn, bei depressiven Erkrankungen ist häufig ein Dopaminmangel vorhanden.

Sozialberatung:

Häufig können seelische Störungen zur Veränderung des Lebensumfeldes führen. Ausgebildete Sozialarbeiter unterstützen die Patienten bei der Beantragung von Maßnahmen, wie z.B. Rehabilitationen oder beruflichen Wiedereingliederungen. Sie beraten bei sozialen Problemen und organisieren Kontakte zu Beratungsstellen außerhalb des Klinikums und Selbsthilfegruppen.

Training der sozialen Kompetenzen:

Die Fähigkeit, angemessen eigene Forderungen zu stellen oder aber auch auf die Umweltanforderungen adäquat zu reagieren, wird im sozialen Kompetenztraining geschult. In interaktiven Rollenspielen werden unterschiedliche Alltagssituationen geübt. Dabei werden drei Situationstypen unterschieden: einmal in "sein Recht einfordern", "Umgang in Beziehungen" oder auch "um Sympathien werben".

Euthyme Therapie:

Bei der euthymen Therapie geht es einfach gesagt um Genuss, viele Patienten haben es verlernt zu genießen oder erlauben es sich nicht. In der Genusstherapie wird man auf die verschiedenen Sinne aufmerksam gemacht. Gemeinsam in der Gruppe tauscht man sich über die verschieden Sinne, die man wahrnehmen kann, aus. Mit Hilfe von Achtsamkeitsübungen erlebt der Patient, sich auf das "Jetzt und Hier" einzulassen und dass in diesem Moment die Vergangenheit, Vergangenheit ist und die Zukunft noch nicht aktuell ist.

Ernährungsberatung:

Bei psychischen Störungen kommt es häufig zu einer Gewichtsveränderung. Um diese zu beeinflussen, ist es wichtig, sich um eine ausgewogene und angemessene Ernährung zu sorgen. In der Ernährungsberatung wird dieses Thema mit dem Patienten in der Gruppe gemeinsam erarbeitet und ihm damit Bewältigungsstrategien vermittelt.

Wachtherapie:

Unter der Annahme, dass bei Depressionen ein gestörter Rhythmus und ein gestörtes Schlafmuster vorliegen, wird künstlich ein Schlafentzug herbeigeführt. Der Schlafentzug wird ca. 2 x pro Woche mit mehreren Wiederholungen durchgeführt. Schlafdefizite dürfen nicht am Tag nachgeholt werden. Ziel ist eine Stimmungsaufhellung und Reduktion der Gehemmtheit des Patienten.

Lichttherapie:

Patienten mit depressivem Syndrom werden täglich einer Bestrahlung mit angenehmem, hellem, weißem Licht ausgesetzt.